Corona Frühling

ABER DER FRÜHLING, DER WUSSTE ES NICHT …

Es war Anfang 2020. Die Menschen hatten einen unruhigen Winter hinter sich, mit reichlich Regen, Hagel und Sturm. Die Natur zappelte, als wollte sie etwas sagen …

Dann kam der März …Auf der ganzen Welt hörten Menschen auf, nach draußen zu gehen. Länder riegelten sich ab, die Leute konnten kaum glauben, dass es wirklich geschah.Die Straßen menschenleer, Autos unbewegt am Straßenrand. Allmählich, wusste jeder was los war.

Aber der Frühling, der wusste es nicht. Und der erste schöne Frühlingstag kam. Und der Himmel wurde orange und blau. Und die Tage wurden länger.

Es war März 2020. Die Schulen schlossen, Jugendliche paukten ab sofort zu Hause am Rechner. Home-Offices entstanden in Küchen, Kellern und Wohnzimmern. Eltern jonglierten, Geschwister rauften sich zusammen. In den Supermärkten gähnten leere Regale. Manch Arbeitgeber geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Veranstaltungen wurden abgesagt und niemand wusste für wie lange. Überall auf der Welt wurden Menschen krank und waren manchmal ansteckend ohne es zu erahnen…Inzwischen wusste jeder was los war.

Aber der Frühling, der wusste es nicht. Unbeirrt hielt er an seiner jährlichen Routine fest. Alles sproß, die schönsten Blumen und Blüten. Und beim Öffnen der Fenster, wehte sein Duft in die Häuser hinein  

Es war März 2020. Die Menschen wurden zu Hause unter Quarantäne gestellt, aus gesundheitlichen Gründen oder nur um sicher zu gehen. Einige Leute durften nicht mehr arbeiten, andere arbeiteten fast rund um die Uhr. Umarmungen, Küsse und Hände drücken wurden zu Bedrohungen. Abstand halten war nicht leicht. Die Tage fingen an sich zu gleichen und die Wochen schienen sich auszudehnen. Die Welt hatte sich verlangsamt, wie in einer Zeitlupe. Niemand hatte es kommen sehen, außer vielleicht Bill Gates. Nun wusste jeder was los war … 

Aber der Frühling, der wusste es nicht. Die Rosen dufteten und strahlten. Die Magnolien zeigten ihre Blütenpracht. Vögel fingen an, ihre Nester zu bauen. Die Luftqualität verbesserte sich. In Venedig schwammen auf einmal wieder Fische und Schwäne in den Kanälen.

Und dann …Menschen boten an, für schutzbedürftige Menschen einzukaufen oder zu kochen. Andere machten zusammen online Musik. Langeweile verwandelte sich in Kreativität. Die Menschen fingen an, mit ihren Nachbarn zu reden. Die Regierung griff zahlreichen Unternehmen unter die Arme und verhinderte viele Entlassungen. Pflegekräfte im Ruhestand boten an, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Jeder erahnte, was das Personal im Gesundheitswesen und in der Pflege jetzt leistete. Diese Menschen wurden mehr denn je geschätzt.

2020 wurde das Jahr, in dem die Menschen die Bedeutung von Zusammengehörigkeit und Solidarität wiederentdeckten. Es geschah etwas mit unserem kollektiven Bewusstsein – es berührte uns alle. Ok, fast alle, Idioten wird es immer geben, aber die bekamen weniger Bühne als je zuvor. Die Wirtschaft kam fast zum Stillstand, brach jedoch nicht zusammen und erfand sich neu. Es war das Jahr, in dem die Welt anzuhalten schien. Das Jahr, in dem wir zusammen Geschichte schreiben würden …Das wussten wir alle.

Aber der Frühling, der wusste es nicht. Und aus den Blumenzwiebeln wurden Schneeglöckchen, Tulpen und Narzissen. Der Bärlauch sproß. Die Tage wurden wärmer. Und die Flüsse wurden sauberer

Jedes Land fand langsam wieder einen Weg zurück in die Normalität. Es ging nicht von heute auf morgen und nicht ohne Verluste. Doch der Tag kam, an dem die Menschen wieder feiern durften. Und Sie gingen hinaus auf die Straßen. Ohne Masken oder Handschuhe. Die Nachbarn wurden eng umarmt. Die Menschen hatten ihre Herzen wieder geöffnet, waren nachdenklicher geworden. Die Kinder freuten sich wieder zur Schule zu gehen. Vieles war auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Die Erde konnte wieder freier atmen. Die Natur hatte sich ein wenig erholt, von dem was die Menschen ihr so lange zugefügt hatten. Die Menschen lernten neue Wörter, wie Glokalisierung. Sie begannen zu verstehen, dass Weltoffenheit und lokale Verwurzelung sich nicht gegenseitig ausschließen.

Und sie sahen ein, dass alles miteinander verbunden ist. Und waren sich mehr bewusst denn je, dass große Herausforderungen nur gemeinsam gemeistert werden können. Und man doch stets auch im Kleinen einen Beitrag leisten kann.

Und es kam der Sommer. Und die Tage kamen und gingen

Und das Gras wuchs. Und der Wind wehte

Und die Wellen rauschten. Und dann kam der Herbst und der Winter

Denn die Jahreszeiten, die wussten von alledem nichts

Alles schien wieder wie immer. Und doch war einiges anders und es war wichtig dies nicht zu vergessen. Denn zu wissen was alles möglich ist, wenn es denn nötig ist, daran sollten wir uns erinnern  wenn wir in Zukunft denken, das geht doch nicht. 

@Titia Lenzhölzer-Maas

Inspiriert von Susan Blanco (@deTaalrecycler) (Niederlande) und Irena Vella (Italien)